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Mein Name ist Nana Nett. Alleinerziehende a.D., Sohn schön und gross geworden, ausgeflogen und selbständig. Gut herausgekommen, letztendlich. Sah nicht immer ganz danach aus.
Die Schwangerschaft war Anlass zur Trennung vom Vater. Nicht einfach zuerst, aber im Nachhinein betrachtet sicher die richtige Lösung. Die ersten Jahre. Söhnchen war nicht gerade ein Vorzeigekind, ich relativ weit entfernt von einer Vorzeigemutter. Wir hatten es manchmal nicht ganz leicht. Miteinander und im Leben. Das einzig sichere war, dass wir uns gern haben. Sehr gern. Ansonsten war’s über die Jahre recht wechselhaft. Die Sehnsucht nach Stabilität blieb Leitstern und Fernziel, ein labiles Gleichgewicht war im besten Fall die Realität.
Dieses Gedicht, seinerzeit aus einem Buch heraus kopiert, dessen Namen und Autorin ich längst vergessen habe, hat mich über Jahre begleitet und getröstet
Manchmal seh‘ ich meinen Sohn an
Manchmal seh‘ ich meinen Sohn an
Und erinnere mich an die Zeiten,
Als ich dachte, ich hätte versagt.
Denn so viele sagten mir,
Dass die Mutter, die den Sohn gebar,
Seinen Vater nicht fortschicken darf.
Manchmal seh‘ ich meinen Sohn an
Und erinnere mich an die Schmerzen
Der einsamen Schwangerschaft
Und an den Verdruss, den ich manchmal empfand,
Weil ich ihn allein erziehen,
Und auf die Freiheit, die mir zustand, verzichten musste.
Es gab Tage, da war ich ein Kind wie er
Und brauchte jemanden, der mir die Liebe gab,
Die ich ihm schenkte,
Tage wo wir gemeinsam das Leben lernten
Und beide voller Fragen waren.
Manchmal seh‘ ich meinen Sohn an
Und wünsche, ich hätte genügend Kraft,
Ihm die Stärke und den Mut zu geben,
Die ich selbst nur selten habe,
Die Kraft zuzuhören, obwohl mein Schmerz
Sich doch auch nach einem Zuhörer sehnte,
Die Kraft ihn zu halten, auch wenn ich selber einsam war.
Und doch – manchmal seh‘ ich meinen Sohn an,
Seh‘ das Vertrauen in seinen Augen,
Das sonst niemand mir gab,
Sehe das Lächeln in seinem leuchtenden Gesicht,
Und dann weiss ich, ich hab‘ nicht versagt,
Keine unverzeihlichen Fehler gemacht,
Seh‘ das Lächeln, das nur von Gutem spricht,
Von Erinnerung an Liebe und Fürsorge.
Manchmal seh‘ ich meinen Sohn an,
und es rührt mich an geheimen Stellen.
Dann weiss ich, es ist alles gut
und wird es immer sein.
Manchmal seh‘ ich meinen Sohn an –
Und ich liebe ihn.
Aus heutiger Perspektive betrachtet überwiegen die guten Erinnerungen. Wir beide sind glückliche Menschen geblieben – oder geworden. Das Schwierigste waren wohl das Gefühl des dauernden Nichtgenügens als Mutter, ständig am Rand der Erschöpfung einerseits und die soziale Isolation anderseits. Nicht zuletzt bedingt durch die völlige Abwesenheit eines Vaters für mein Kind.
Ich sehe, dass sich die Situation von Alleinerziehenden im Vergleich zu damals vor fast 30 Jahren, als mein Sohn klein war, um einiges verbessert hat, was das Selbstbewusstsein, Vielfalt von Familienbildern, aber auch ganz praktisch familien-externe Kindebetreuung, Tagesschulangebote, Selbstorganisation etc. betrifft. Ich sehe aber auch, dass die Probleme, mit denen Alleinerziehende heute zu kämpfen haben, noch bei weiten nicht gelöst sind.
Es gibt also noch viel zu tun. Und ich helfe mit. Als Alleinerziehende a.D.
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